Montag, 18. April 2016

Studio Neue Musik

Es war das erste Konzert mit Neuer Musik in diesem Jahr, im Salon des Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden.

Diese Veranstaltungen sind für uns immer so kurzweilig wie lehrreich. Die kundige Moderation von Prof. Günther Schwarze hat daran großen Anteil, indem er die Besonderheiten einzelner Werke erklärt und die eine oder andere Anekdote dazu weiß, erleichtert er den Zugang, bevor die Stücke von Studenten der Hochschule gespielt werden.

Den Auftakt bildete gestern Nachmittag ein 'Violasolo' (2009) von Johannes Dittmar, betont rhythmisch mit Jazz-Anklängen. Herrlich temperamentvoll und furios gespielt von Franziska Schwarz  - mitreißend!

Weiter ging es mit Ngoc Vu am Klavier. Er spielte u.a. von György Ligeti die 'Études pour piano' (1988-94) deuxiéme Livre Étude 11: En Suspens - Fingerübungen nicht gerade der leichtesten Art.

Bei dem hoch raffinierten Stück 'Dhun Raga Tilang' (1992) von Peter Feuchtwanger staunte ich nicht schlecht über die Kunststücke, die ein fähiger Pianist mit einem Konzertflügel anstellen kann. Der Klang des Flügels verwandelte sich unter seinen Händen quasi in den eines Santurs oder in den einer Sitar, ganz ohne Präparation des Klaviers, ausschließlich mit genau abgestimmter Finger- und Pedaltechnik. Wie bei der klassischen indischen Aufführungspraxis üblich, zog sich ein Bordun durch das Stück, ein Halteton, der als Begleitung zur Melodie fungiert.

Auch beim nächsten Stück 'Charavgi (1994) von Calliope Tsoupaki für Altblockflöte Solo spielte das Pedal am Flügel eine nicht ganz unwichtige Rolle. Es wurde permanent niedergedrückt und man simulierte damit eine Art Hallraum indem man die Saiten von den Tönen der Flöte akustisch anregen und frei mitschwingen ließ. Das Flötenspiel von Gloria Bartsch war dabei wirklich bezaubernd und virtuos. Es entstand eine Anmutung, die uns an japanische Komponisten und an Shakuhachi-Klänge erinnerte, die japanische Bambusflöte. Das war eine Assoziation, die auch Frau Bartsch selbst hatte, wie sie uns bei einem kurzen Gespräch nach dem Konzert sagte. Es war jedenfalls ein wunderschönes Stück, recht lang und mit erweiterten Spieltechniken, bei denen die Flötistin ihre Stimmbänder einsetzt, wodurch brummende Mischtöne entstehen.

Das folgende Stück von Iannis Xenakis 'Herma' 1967, wäre vielleicht auch für uns als Hörer schwierig gewesen, hätte sich dieser mathematisch orientierte Komponist uns nicht längst über seine Schlagzeugstücke erschlossen. Meine Frau und ich lieben besonders die Stücke Rebonds -A und -B, und wir denken gern noch an unser privates Hauskonzert in Karlsruhe zurück, wo u.a. diese Stücke zur Aufführung kamen. Siehe meine frühere Notiz vom 20. April 2009 dazu, ganz unten auf der folgenden Seite: lebong.de/notizen/notizen38.htm

Gestern in Dresden spielte Yuying Chen Xenakis am Klavier solo - wir waren begeistert! Die Gesamtleitung hatte Prof. Christian Münch.

P.S.: Im Programmkino-Ost, auf der anderen Seite der Elbe gelegen, ließen wir den späteren Abend mit dem Film 'Ein letzter Tango' ausklingen. Der Film porträtiert das legendäre Tango Paar Duo María Nieves und Juan Carlos Copes. Vor der Kamera lassen die beiden ihr Leben Revue passieren von den 40er Jahren bis heute. Der Film spielt in Buenos Aires, das früher mal ein Traumziel von mir gewesen ist. Ich hatte damals den Film 'El sur' gesehen, eine Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges mit der Filmmusik von Astor Piazzolla, die mich nachhaltig in den Bann zog. In dem neuen Film lässt die Stadt von ihrem alten Charme nur noch wenig erahnen.

Fotos: Johannes LeBong