Samstag, 9. April 2016

Literaturtage an der Neisse

Das Programm enthielt heuer eine schöne Überraschung für mich. Nicht im Traum hätte ich es mir vorgestellt, die Schriftstellerin Joanna Bator hier in der Gegend live zu erleben. Besonders ihr Roman 'Sandberg' gehört für mich zum absolut Besten was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ein literarisches Meisterwerk hohen Ranges, nicht zuletzt durch die kongeniale Übersetzung von Esther Kinsky. Ich hatte hier schon einmal darüber berichtet: piaskowa-gora

Gestern las Frau Bator zusammen mit Ulrike Draesner, deren Buch 'Sieben Sprünge vom Rand der Welt' meiner Frau gleich so gut gefiel, dass sie es bestellt hat. 

Gesamtprogramm: literaturtage.eu

Frau Draesner war aus Oxford angereist. Moderiert wurde die Lesung von der Kulturjournalistin Sigrid Hoff, die man von ARD, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur kennt.

"Beide Autorinnen machen die gemeinsame Geschichte der Polen und Deutschen  zum Thema ihrer Werke. Mit erzählerischer und stilistischer Brillanz nehmen sie ihre Leser mit auf eine Reise durch Räume und Zeiten voller Wider-sprüche und Konflikte. Sie erzählen von Menschen, Zeiten und Orten, die vom Krieg und der Nachkriegszeit, von Vertreibung, Aussiedlung und Neuansiedlung in einer für sie fremden Gegend geprägt wurden."*

Und so war auch das Publikum dieser gut besetzten Lesung im Kulturzentrum-Messiaen zweisprachig gemischt. Joanna Bator, die in Warschau Kulturanthropologie und Philosophie unterrichtete, hat übrigens auch eine Reportagensammlung mit dem Titel 'Japanischer Fächer' verfasst über das moderne Japan, dessen profunde Kennerin sie ist. 

Wie sie uns nach der Lesung erzählte, hat sie leider nicht vor, diese Reportagen ins Deutsche übersetzen zu lassen, da es ihrer Meinung nach schon genug Bücher dieser Art in Deutschland gebe. Bedauerlich für uns, die wir die polnische Originalfassung nicht lesen können.

Jetzt freue ich mich aber schon auf ihre deutsche Neuerscheinung mit dem Titel 'Dunkel, fast Nacht'.


Joanna Bator im 'Die Welt'-Feuilleton: ich-habe-immer-das-Unheimliche-gespuert

Fotos: Andrea + Johannes LeBong
* Excerpt aus dem Einführungstext