Montag, 26. Oktober 2015

Junge Meister in der Galerie Brüderstraße Görlitz

Am Samstagnachmittag fand in der Galerie eine Einführung mit der Künstlerin Olga Grigorjewa zu ihrer aktuellen Ausstellung "Blaue Sonne" statt.

Bildausschnitt: Eigenes System leuchtet gelb 2015 - 100 x 70 cm - Siebdruck

Aus dem Pressetext: "Die „Blaue Sonne” von Olga Grigorjewa schließt die deutsch-polnische Ausstellungsreihe JUNGE MEISTER für das Jahr 2015 ab. Die Arbeitsweise von Grigorjewa lässt sich als „erzählerische Abstraktion” bezeichnen. In Grafiken, Installationen, Performances und Videos untersucht sie die Sprache und die Beziehungen der Formen und Materialien".

Wandobjekt im Vordergrund: Spartanisch frivol - 2015 - Stoff, Plastik, Aluminium

Die Kunst-Objekte von Olga Grigorjewa kontrastieren sehr vorteilhaft mit dem alten Gemäuer der Galerie und sollen dem Raum durchaus auch etwas Farbe und Struktur verleihen, wie die Künstlerin sagt. Ich finde die Ausstellung sehr gelungen und sehenswert. Sie geht noch bis zum 31.12.2015. Besonders würde mich freuen, wenn diese Reihe mit Gegenwartskunst, die in Görlitz immer noch unterrepräsentiert ist, in der Brüderstraße fortgeführt wird.

Im Bild: Die Kuratorin Susanne Greinke von der HFBK Dresden, Agnieszka Bormann vom Kulturservice Görlitz und die Künstlerin Olga Grigorjewa

Während die Künstlerin selbst keine Bedeutungen ihrer Werke vorbestimmt - Namen vergibt sie nur als Ordnungskriterium - machten sich die BesucherInnen Gedanken darüber, was die Bilder wohl darstellen könnten. 


Einmal mehr zeigte sich bei dieser Gelegenheit, dass die Bildrezeption sehr individuell funktioniert. Beim oben stehenden Bild meinte etwa eine ältere Dame, einen Hund am Fenster liegend zu erkennen. Ein anderer Besucher sprach vom Abbild einer Eisdiele, wobei er auf die typische Form einer Markise abhob, jemand anderes wiederum entdeckte in der Grafik geheime Zeichensymbole, usw. 

Selbst kramte ich in anderen Denkschubladen. Das Punktraster in Pink des Bildhintergrunds ließ mich an eine Technik des amerikanischen Pop-Malers Roy Lichtenstein denken, der Duktus der schwarzen Linien erinnerte mich dagegen an Bilder russischer Konstruktivisten.

Bei der Betrachtung der rosafarbenen Vorhänge des Wandobjekts 'Spartanisch frivol' kam mir übrigens der US-Popkünstler Tom Wesselmann in den Sinn, mit seinen 'bathtub' Materialcollagen. Durch die Ausstattung mit realen Gegenständen stellen seine Wandobjekte oftmals eine Mischung aus Malerei und Raumplastik dar.



Fotos: Johannes LeBong, Abb. der Kunstwerke mit freundlicher Genehmigung von Olga Grigorjewa