Samstag, 17. Oktober 2015

Im Kunstverein Heilbronn

Die Notiz müsste ich streng genommen zurückdatieren, denn es ist schon wieder  ein paar Tage her, dass wir in dieser Gegend vorbeischauten.


Eigentlich wollten wir uns nur mal die Kunsthalle Vogelmann anschauen. Dass auch der Kunstverein Heilbronn hier ausstellt, war eine nette Überraschung, denn vom Thema her, war die aktuelle Ausstellung 'Psychoprosa' mit dem Künstler Thomas Feuerstein genau mein Ding. Nicht zuletzt hat das mit meiner beruflichen Vergangenheit zu tun, die in den Sechzigerjahren in den Labors des Anorganisch Chemischen Instituts der Universität Heidelberg begann.

Thomas Feuerstein bespielt Kunsträume, in denen sich Laborküche, Skulptur, Schläuche, Kühlschränke, Zeichnungen, Fotografien, Malerei, mit Netzkunst mischen. 

So fand ich mir bestens vertraute Laborutensilien von Thomas Feuerstein überraschend in den Rang der Kunst erhoben, indem er ihren Objektcharakter besonders betont und sie in einen neuen konzeptuellen Kontext stellt.

Thomas Feuerstein, 1968 in Innsbruck geboren, lebt heute in Wien. Er verbindet auf eindrucksvolle Weise in seinen Arbeiten die Kunst mit wissenschaftlicher Versuchsanordnung.

Die menschenleeren Ausstellungshallen in Heilbronn wirken übrigens nicht statisch ruhend, sondern wie geisterhaft belebt. Hier und da öffnen und schließen sich Kühlschranktüren, läuft eine Chemiepumpe, blubbert weißer Schleim aus undichten Glasventilen; in weitverzweigten Schlauchsystemen, in Retorten und Bioreaktoren wachsen Algen und Pilze.

In der Ausstellung hatte ich so etwas wie ein Déjà-vu: Mir kam 'Die Honigpumpe am Arbeitsplatz' von Joseph Beuys in den Sinn, die ich auf der Documenta 1977 in Kassel gesehen hatte. Das war ein über mehrere Räume verteiltes Schlauchsystem, in welchem 150 kg Honig von einer Pumpe in Umlauf gebracht wurden.

Fotos: J. LeBong, Abb. der Werke mit frdl. Erlaubnis von ATELIER THOMAS FEUERSTEIN