Sonntag, 27. September 2015

Eindrücke von der Aufführung der Turangalîla Sinfonie


Aus der Einführung des 'Meetingpoint Music Messiaen': "Olivier Messiaen komponierte die »Turangalîla-Sinfonie« für Soloklavier, Ondes Martenot und großes Orchester im Auftrag von Sergej Kussewitzky für das Boston Symphony Orchestra, welche am 2. Dezember 1949 unter der Leitung von Leonard Bernstein uraufgeführt wurde. Die zehnteilige Sinfonie gehört zu den suggestivsten Werken des Komponisten und mittlerweile – nach mehr als 300 Aufführungen – zum Standardrepertoire großer Orchester. Musikalisch changiert Messiaen zwischen Extremen: Süßlicher Hollywoodsound trifft auf bruitistische Härte. Dabei zeigt er sich in diesem Kollossal-Werk als Meister im Jonglieren mit Rhythmus, Klang und Farben: Eine Musik, die sehr reich an unterschiedlichsten Klangwelten ist: mal wechseln sich ruhige, melodische Passagen mit schnellen, rhythmischen ab; mal ist die Tonsprache exotisch gefärbt nach Art balinesischer Gamelan-Orchester; mal imitiert das Soloklavier Vogelstimmen. Ein besonderes Kolorit wird durch die Ondes Martenot erreicht, die eine erstaunliche Bandbreite vom zartesten Piano bis zum durchdringenden Sirenenton besitzt. Mit diesen Mitteln beschwört Messiaen ein Fantasie-Indien voller überbordender Euphorie und hemmungsloser Sinnlichkeit herauf."



Zunächst hatte ich gezögert hinzugehen, weil ich mir ein feierliches klassisches Konzert in so einem kühlen Profanbau wie der Turów Arena in Zgorzelec nicht so recht vorstellen konnte. Vor Ort ließ ich mich dann aber doch von der perfekt gespielten Aufführung mitreißen. Außerdem bin ich wirklich sehr dankbar, wenn hier in der Gegend solche verhältnismäßig anspruchsvollen Aufführungen stattfinden!

Zwar verlor sich der Klang im hohen Raum und ließ dadurch Körper vermissen, zudem wurde manche subtil gespielte Passage auch noch von einem dunklen Rauschen aus der Lüftungsanlage überdeckt, trotzdem war es mir so lieber, als mit Lautsprecher-Verstärkung. Im Übrigen habe ich die gesammelten Werke von Olivier Messiaen auch zuhause auf meinem Mediaplayer in tollen Einspielungen.


Nach dem Konzert bot sich eine Gelegenheit kurz mit dem französischen Musiker Thomas Bloch zu sprechen, der die Ondes Martenot spielte und ich konnte sein historisch interessantes Instrument fotografieren. Der Musiker lebt in Paris.

Außerhalb von Frankreich gibt es ja auch praktisch keine Tradition für das Instrument. Man kann wohl davon ausgehen, dass die meisten, die Ondes Martenot auf hohem Niveau spielen, durch die Schule von Jeanne Loriod gegangen sind, die das Ondes-Spiel bei Martenot selbst gelernt hat und seine Nachfolgerin am Conservatoire in Paris wurde. Übrigens ist das auch mit ein Grund, warum es von Messiaen so viele gute Sachen für Ondes Martenot gibt - er hat die Schwester von Jeanne Loriod geheiratet.

 - Bild Groß -

Auf dem großen Bild der Ondes Martenot sieht man den quer vor der Tastatur verlaufenden Spanndraht mit Fingerring, mit dem man durch Längsbewegungen interessante Glissando- und Vibrato-Effekte erzeugt.

Fotos : Johannes LeBong