Freitag, 12. Juni 2015

Neuzugang in der Hausbibliothek

Dresden in den 80ern. Dass die DDR nicht mehr lange existieren würde, konnte damals noch keiner wissen. Der Staat verfällt zusehends, selbst das Villenviertel in Elbflorenz verkommt mehr und mehr. Uwe Tellkamp zeichnet in seinem Roman ein facettenreiches, in den Lebensläufen seiner Figuren gebrochenes Panorama dieser Jahre.

Die Dresdner Hanglage, in der die Geschichte ihren Ausgang nimmt, kennen wir inzwischen von mehreren Spaziergängen und Einladungen. Es ist ein Wohngebiet, dessen Häuser, Parks und Gärten etwas würdiges und privates ausstrahlen. Das war wohl auch zu DDR-Zeiten so. Von daher rührt mein besonderes Interesse an der Geschichte.



Anders als im Film, den ich ebenfalls recht gut fand, kümmert sich der Text noch ums kleinste Detail. Uwe Tellkamp beschreibt  die Gerüche, die Farben, die Lichter, die Gegenstände, die Markennamen der DDR-Produkte und die Begebenheiten in einer ausdrucksstarken aber auch manierierten Hochsprache. Diese Betonung des affektierten sprachlichen Registers ist eigentlich nervtötend. Weil der Turm aber für mich eine Art Lehrbuch ist, bin ich für diese Detailversessenheit dankbar, denn so einsteht ein sehr genaues Abbild dieser Lebenswelten, die mir auch beim Verständnis des Heute nützt. Leichte Lektüre sind die 1000 Seiten aber nicht.

Foto: Johannes LeBong