Samstag, 27. Juni 2015

Kontrastprogramm vom Wochenende

Samstag, ganz klassisch: Eine private Einladung von Bekannten in das polnische Schlösschen 'Pałac Sztuki WaJu' zu einem Hauskonzert.

Foto: Johannes LeBong

In einem kleinen Kreis von Kunstfreunden, die aus verschiedenen Ländern Europas zusammengekommen waren, hörten wir ein wunderbares klassisches Solo-Konzert der Harfenistin Jana Boušková, die in ihrem Fach zur Welt-Elite gehört. Wir waren von ihrem zauberhaften Spiel völlig begeistert. Sie erwies sich übrigens als eine sehr herzliche und liebenswürdige Person. Wir sind sehr dankbar für das Zusammensein und die Gespräche bei Brot und Wein im Schloss. Für uns sind es die ersten kleinen Schritte, mit denen wir unseren kulturellen Horizont in Richtung Polen und Tschechien erweitern.

Foto: Johannes LeBong

Jana Boušková spielt eine Harfe von Lyon & Healy, die unter ihren Händen ungewöhnlich brillant und schönfarbig klingt.

Photo credit: Jana Boušková


Freitagabend, ganz modern: Gartenstadt Hellerau / Festspielhaus Hellerau. An dieser Location läuft für uns einiges zusammen: Besichtigung beim Werkbund Dresden und Begehung des Golgi Park, ein neu angelegter interkultureller Garten hinter dem Festspielhaus. Danach schön italienisch essen bei der Pasta-Manufaktur im Hause, das Dessert auf der Terrasse von der coolen Eismanufaktur pau pau.

Der Höhepunkt des Abends war die Aufführung von 'VORTEX TEMPORUM' von Anne Teresa De Keersmaeker / ROSAS & Ictus Ensemble. 

In diesem Stück kamen meine Frau und ich gleichermaßen auf unsere Kosten. Sie, mit ihrem besonderen Faible für modernen Tanz und ich, mit meiner Freude an spannender Neuer Musik.

Foto: Festspielhaus Hellerau, Pressefotos, Copyright © Anne Van Aerschot

Die Komposition von Gérard Grisey ist sehr hörenswert. Im Rahmen der Choreografie von Anne Teresa De Keersmaeker wirkt die Einbindung des Ensemble Ictus ins tänzerische Geschehen der Kompanie Rosas wie selbstverständlich. Die Musiker reizen ihre Instrumente mit erweiterten Spieltechniken und Gesten aus, während die TänzerInnen die Motive der Musik aufnehmen und umkreisen.

Der szenisch meist im Mittelpunkt stehende Konzertflügel wird nicht nur heftig dissonant bespielt, einzelne Töne - aber nicht alle - waren nach meinem Hörempfinden daran gezielt verstimmt worden, um besonders dramatisch abstürzende Tonfolgen möglich zu machen. Während der Pianist im Gehen stoisch darauf spielte, rollte eine zweite Person den Flügel in immer wieder neue Positionen auf der großen Bühne. Die Musik klang übrigens nie nervig oder aufgesetzt. Das Stück muss man gesehen und gehört haben!

Foto: Johannes LeBong

P.S. Wir unterstützen entschieden die Initiative #WOD - ein Zusammenschluss der Dresdner Kulturinstitutionen. (#WOD) tritt öffentlich ein für das fremdenfreundliche Dresden, das stolz ist auf eine Kultur des Miteinander.