Mittwoch, 8. Oktober 2014

Hidden places

Abseits ausgetretener Pfade gibt es in unserer neuen Heimat unfassbar viele beschauliche Orte zu entdecken, wenn man nur neugierig genug ist. Die Kawiarnia w Starym Młynie, ein Café im staubigen Hinterhof einer alten Mühle, liegt beispielsweise abseits vom Oder-Neiße Radweg. Im Sommer sitzt man im Freien auf groben Holzbänken und schaut auf eine polnische Autoschrauber-Werkstatt, gleich nebenan. Die rothaarige, verhalten freundliche Wirtin kocht einen ganz ausgezeichneten Kaffee, den sie in Blümchentassen serviert und kreiert fette Torten wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Die farbigen Geleeschichten der Tortenstücke scheinen im Sonnenlicht wie aus sich selbst heraus zu leuchten.

Es kommt aber noch besser: Direkt neben der alten Mühle, von einem kleinen Wäldchen mit uralten Bäumen umgeben und damit allen Blicken wirkungsvoll entzogen, befindet sich eine wahrlich grandiose, aber dennoch völlig verwaiste Wasserschlossanlage. Hat man erst einmal Verbotsschilder mit polnischer Schrift ignoriert und eine mit Stacheldraht bewehrte Absperrung an einem Waldweg überklettert, darf man sich auch nicht mehr von drohendem Hundegebell hinter dem verschlossenen Tor abschrecken lassen. Nun umwandert man das ausgedehnte Areal auf einem Dammweg, der den breiten Wassergraben begrenzt. Die Schlossanlage selbst präsentiert sich in frischem Putz, wird aber schon seit vielen Jahren von niemanden mehr genutzt. Hinter das hohe Eingangsportal gelangt man leider nicht. Besucher sind nicht willkommen. Es handelt sich um das ehemalige Freie Weltadelige Fräuleinstift Joachimstein zu Radmeritz. Der Pałac Radomierzyce galt einmal als das schönste Schloss der Oberlausitz. Heute liegt es im Dornröschenschlaf und erscheint an diesem abgelegenen und versteckten Ort geradezu unwirklich in seiner nutzlosen Existenz.

Quelle: Wikipedia