Mittwoch, 18. Juni 2014

Kühne Architekturmodelle aus Stuttgart und Paris

Erfreulicherweise gibt es an der Ecole Speciale d'Architekture von Paris und bei der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Professoren, die ihren StudenInnen die Aufgabe stellten, sich im Rahmen von Semesterarbeiten mit Görlitz zu beschäftigen. Die Aufgabe war, avantgardistische städtebauliche und raumplanerische Visionen für Görlitz zu entwickeln. 

Der geschulte und unvoreingenommene Blick von außen erwies sich sehr treffend im Sinne einer Schwachstellenanalyse und führte zu gut durchdachten Lösungsansätzen. Würde die Stadt nach diesen Skizzen umgebaut, gewänne sie nicht nur optisch durch spannende Kontraste, sondern wäre auch besser organisiert. Viele clevere Detaillösungen haben meine Frau und mich geradezu begeistert!
Letzten Sonnabend waren in der Curiestraße 3 mehr als sechzig Poster und einige Modelle der Studenten ausgestellt. Man hätte Stunden gebraucht, um sich wirklich eingehend und differenziert damit zu befassen.


Friedmann Dreßler von der Stadtverwaltung Görlitz hat uns dankenswerterweise die Arbeiten näher gebracht, indem er sie kurz bei einem Rundgang erklärte. Viele Pläne zeigten eine beeindruckende Qualität und Auffassungsgabe. Wir hoffen, dass diese Arbeiten bei der Stadt Beachtung finden, auch wenn es keinen konkreten Realisierungshorizont gibt, sind aber skeptisch.

Wie ich aus gut informierten Kreisen weiß, sind alteingesessene Görlitzer eher darauf bedacht, Neues abzuwehren. Schon gar nicht liebt man zeitgenössische Architektur oder Kunst. Die Leserbriefe in der SZ, in denen man sich über eine harmlose rote Stahlskulptur am Neißeufer erhitzt, sind ein gutes Beispiel für diese Haltung. Ein früherer Bürgermeister wollte die Skulptur sogar an den Künstler zurückgeben. Das las ich ebenfalls in der Zeitung.